Meine beiden Arten

In meinem Becken (selbstbau, ca. 600 Liter Fassungsvermögen) halte ich eine Hieroglyphenschmuckschildkröte (Pseudemys concinna concinna), ohne Altersangabe und eine Gelbwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta, angeblich von 1998). Beide Schildkröten sind Fundtiere. Daher kann ich auch keine genaue Altersangabe zu meinen beiden Wasserschildkröten machen.

Wie alles anfing...

Angefangen bin ich jedoch mit einer Gelbwange und einer Rotwange (Trachemys scripta elegans) von 1992, die ich im November 2002 in meinem 240 Liter Standardbecken hielt.

Die beiden Wasserschildkröten (Gelb- und Rotwange) habe ich seit dem 27.November 2002. Beide Schildkröten habe ich mir aus Dortmund von wasserschildkroete.de, als Fundtiere, abgeholt. Auf deren Empfehlung entschloss ich mich, eine Rotwange und eine Gelbwange (beides Männchen) als Pärchen in einem Becken zu halten. Die Gelbwange wog 466 gr. bei 15 cm Panzerlänge und die Rotwange hatte 595 gr. bei 18 cm Panzerlänge (Stand 21.10.2003). Leider verließ ich mich zu sehr auf die Angabe des Dortmunder Vereins, obwohl ich mich eigentlich gründlich über Wasserschildkröten informiert hatte.

Im Oktober 2003 bemerkte ich, wie die Rotwange die Gelbwange immer wieder in den Hals biss.

Die Vermutung, dass eine bzw. beide Wasserschildkröten erkrankt sein könnten, bestätigte mir ein Tierarzt (natürlich Schildkrötenerfahren). Da diese Beißerei jedoch auch während der ärztlichen Behandlung nicht zurück ging, trennte ich die beiden Schildkröten erst einmal. Nachdem ich beide Schildkröten wieder zusammen in einem Becken hatte und keine Verbesserung im Verhalten feststellen konnte, musste ich schnell handeln und "tauschte" die Rotwange gegen eine Hierohglyphenschildkröte. Zum damaligen Zeitpunkt blieb mir leider keine andere Lösung, denn die Beißattacken waren so heftig, dass ich eine Entscheidung treffen musste.

Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen...

Ein größeres Becken war zwar zu diesem Zeitpunkt schon in Planung, jedoch kann man so etwas auch nicht kurzfristig einrichten. Es fehlten mir zudem auch noch grundlegende Überlegungen, die ich für mich erst klären musste und auch nicht übereilt treffen wollte. Das neue Becken sollte auf jeden Fall hundertprozentig sein, da es nicht nur eine Übergangslösung, sondern erst einmal eine endgültige Lösung sein sollte.

Heute weiß ich, dass die Probleme zwischen Gelb- und Rotwange zum einen mit meinem viel zu kleinen Becken in Verbindung zu bringen waren und zum anderen auf der Tatsache beruhten, dass ich zwei verschiedenen Arten in einem Becken hatte. Wenn man zwei verschiedene Arten in einem Becken hält muss man immer mit Problemen rechnen. Die müssen nicht auftreten, aber die Wahrscheinlichkeit liegt doch sehr hoch. Wer sich ein wenig mit dem Verhalten von Rotwangen auskennt, weiß das diese mit zunehmenden Alter eine sehr "ruppige Art", sowie ein ausgeprägtes Revierverhalten annehmen kann. Daher sollte man sich vorher gründlich überlegen bzw. informieren, welche Arten (ich würde davon aber abraten, da ich nun schon zweimal Probleme mit unterschiedlichen Arten hatte) oder auch welche Geschlechter und in welcher Anzahl man diese zusammen halten möchte, oder anders formuliert, ob man diese in der gewünschten Weise zusammen halten kann. Verschiedene Arten können für Probleme sorgen und diese Probleme sind dann nicht einfach zu lösen, da man die Arten dann meistens nur noch trennen kann. Wer Männchen und Weibchen einer Art zusammen halten möchte, sollte sich jedoch auch hier über mögliche Probleme Gedanken machen. Meistens werden mindestens zwei Weibchen mit einem Männchen zusammen gehalten, damit die Weibchen nicht durch das ständige Balzen nicht gestresst werden. Besser ist jedoch, wenn man sich mit erfahrenen Haltern austauscht. Mein Rat: Wer also zwei verschiedene Arten bzw. Männchen und Weibchen in einem Becken hält, der sollte sich schon vorher Gedanken machen, wie er bei Problemen der zwischen den Schildkröten damit umgeht.

Nachdem ich dann ein "neues" Pärchen in meinem Becken hatte, nämlich die Gelbwange und die Hieroglyphe, entschloss ich mich dazu, die beiden in einem größeren Becken unter zu bringen. Zum einen war ich schon mit der Planung eines größeren Becken begonnen, da ich mittlerweile der Meinung war, dass zwei Wasserschildkröten in meinem AQ von 240 Liter definitiv zu wenig Platz hatten und auch nicht richtig schwimmen konnten. Die meisten Wasserschildkröten sind ausgezeichnete Schwimmer und brauchen deswegen auch ausreichend Platz zum Schwimmen. Des weiteren war ich der Meinung, dass sich die beiden Schildkröten wegen des geringen Platzangebots bissen und um dieser Gefahr entgegen zu wirken, nicht das mir das noch einmal passieren sollte, wollte ich die beiden Schildkröten nun in einem größeren Becken halten. Nachdem ich dann mit der Planung fertig war und ein geeignetes Becken gefunden hatte, war nach ca. 4 Wochen im Dezember 2003 das neue Becken, ein Hochteich mit 500 Litern bezugsfertig. Ich war stolz und die beiden Schildkröten fühlten sich in dem neuen großen Becken sichtbar wohler wie noch in dem kleinen AQ.

Leider sollte diese Ruhe auch nicht von allzu langer Dauer sein... Im Oktober 2005 bemerkte ich, wie die Hieroglyphe durch Balzen die Aufmerksamkeit der Gelbwange erzielen wollte. Klar, auch vorher haben beide Wasserschildkröten durch Balzen auf sich aufmerksam gemacht. Zwar war die Hieroglyphe in dieser Richtung immer wesentlich aktiver, aber scheinbar gab es bis zu diesem Zeitpunkt keine Probleme. Da das Balzen von Seiten der Hierogylphe beständig war und es der Gelbwange aber sichtbar gar nicht so richtig gefiel, entschloss ich mich erst einmal dieses Verhalten sehr intensiv zu beobachten. So beobachtete ich in den nachfolgenden Wochen die beiden sehr genau und stellte im November fest, dass die Gelbwange hin und wieder versuchte die Hieroglyphe seitlich in den Panzer (zwischen Vorder- und Hinterfüße) zu beißen. Da die Gelbwange "nur" in den Panzer biss, war kein schnelles handeln nötig und ich beobachtete dieses Verhalten weiter, da ich wissen wollte, ob es ein einmaliges Beißen war oder ob es häufiger werden sollte. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Befürchtung, dass ich die beiden Trennen muss. Der Auslöser für diese Bisse der Gelbwange waren mit großer Wahrscheinlichkeit das ständige Balzen der Hieroglyphe. Die Gelbwange wurde durch das ständige Balzen sehr gestresst und wollte die Hieroglyphe durch die Bisse davon abhalten. Da ich eine solche Situation schon einmal erlebt hatte und weiß wie heftig solche Bisse werden können, trennte ich die Beiden am 3. Dezember 2005. Da beide Schildkröten anfangs mit Nahrungsverweigerung auf diese Trennung reagierten, entschloss ich mich, die beiden Schildkröten noch einmal in meinem großen Becken zusammen zu führen. Diese Zusammenführung begann sofort mit heftigem Beißen der beiden Schildkröten und ich trennte beide Schildkröten unverzüglich. Glücklicher Weise wurde keine Schildkröte verletzt. Beide Schildkröten haben sich mittlerweile an ein Leben in Einzelhaltung gewöhnt und nehmen auch wieder Nahrung zu sich. Diese Trennung ist endgültig und ich werde aus den o.g. Erfahrungen auch nur noch Schildkröten einzeln halten. Ich "hänge" mittlerweile so sehr an meinen beiden Schildkröten, dass ich nicht mehr mit ansehen kann, wenn sie die beiden Schildkröten gegenseitig beißen wollen.

Soviel zu meinen beiden Schildkröten....