Winterruhe - Winterstarre - Hibernation

Eine Anmerkung vorab

Grundsätzlich spricht man nicht vom Winterschlaf, da die Schildkröten nicht schlafen, sondern in einer Art Starre verweilen. Gebräuchlich sind Begriffe wie Winterruhe, Winterstarre oder Hibernation. Der Begriff Hibernation kommt aus dem Englischen und bedeutet Winterschlaf bzw. Überwinterung. Es gibt keine Unterschiede der Begriffe Winterruhe, Winterstarre und Hibernation, alle Begriffe stehen für die Überwinterung der Wasserschildkröten.

W I C H T I G !

Nicht alle Wasserschildkröten-Arten halten eine Winterruhe oder eine verminderte Aktivitätsphase! Das ist einzig von der Herkunft der entsprechenden Schildkröten-Art (ggf. Unterart) abhängig. Daher sollte man sich bei der Bestimmung der Schildkröten-Art sehr sicher sein. Fehler in der Artenbestimmung kann zum Tod der Schildkröte führen. Auch die Einwinterung, Überwinterung und Auswinterung können ernste Folgen haben und auch den Tod der Schildkröte bedeuten.

Welche Wasserschildkröte muss eine Winterruhe halten, welche nicht?

Das Herkunftsgebiet einer Schildkröte und deren Temperatur im Winter entscheidet in welche der drei folgenden Gruppen die Schildkröte einzuordnen ist und somit auch, ab sie eine Winterruhe halten muss oder nicht.

  • Wasserschildkröten der gemäßigten Zonen halten eine Winterstarre, die "künstlich" herbei geführt.

    Im November senkt man langsam die Wassertemperatur und die Beleuchtungsdauer. Die Wasserschildkröte wird dadurch in ihrem Verhalten immer träger und stellt dann die Nahrungsaufnahme irgendwann ein. Der Darm wird entleert und bei einer Wassertemperatur von 10 Grad Celsius fällt die Wasserschildkröte in die Winterstarre. Der Stoffwechsel der Schildkröte wird auf ein Minimum reduziert. Die Herz- und Atemfrequenz vermindert sich dann auf ca. zweimal die Minute. Die Wasserschildkröten werden in einem Kühlschrank oder einem Keller überführt, wobei die Temperatur konstant bei 4 - 7 Grad Celsius bleiben muss, damit die Schildkröten nicht vorzeitig aus der Winterruhe aufwachen. Wasserschildkröten werden während der Winterruhe in einer Kunststoffwanne mit Wasser gehalten, wobei der Wasserstand den Panzer bedecken sollte, damit die Schildkröte jederzeit problemlos den Kopf aus dem Wasser heben kann um atmen zu können.

    Die Auswinterung verläuft analog, indem man nach der Winterruhe von ca. 10 - 12 Wochen die Tiere langsam wieder an höhere Temperaturen und längere "Sonnentage" (durch eine ebenfalls langsame Erhöhung der Beleuchtungsdauer) gewöhnt. Die Futtermenge muss genauso langsam erhöht werden, da der Kreislauf der Schildkröte erst mit steigenden Temperaturen wieder seine Funktion aufnimmt und auch die Nahrung verdauen kann. Diese Auswinterung wird in einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen durchgeführt.

  • Wasserschildkröten aus einer gemäßigten Zone halten eine verminderte Aktivitätsphase.

    Ebenso wie bei der Winterruhe wird zu Beginn des Winters die Wassertemperatur und Beleuchtungsdauer langsam gesenkt. Allerdings hält man die Wassertemperatur während der verminderten Aktivitätsphase auf ca. 15 - 17 Grad Celsius und die Beleuchtung bleibt während dieser Zeit aus. Die Schildkröten sind während dieser Zeit träge und nehmen kaum Nahrung zu sich. Die Schildkröten müssen in dieser Zeit jedoch weiterhin mit Futter versorgt werden.

    Auch hier erfolgt die Auswinterung mit der langsamen Erhöhung der Temperatur, Beleuchtungsdauer und Futtergabe. Die Auswinterung wird in diesem Fall nicht so lange dauern, da die Temperaturunterschiede ja nur wenige Grad Celsius betragen.

  • Wasserschildkröten aus warmen Regionen legen weder eine Winterruhe noch eine verminderte Aktivitätsphase ein.

    Die Arten Wasserschildkröten werden das ganze Jahr bei gleich bleibenden Wassertemperaturen und Beleuchtungsdauer gehalten. Die Wassertemperaturen, Beleuchtungsdauer sowie die Futtermengen sollten natürlich den entsprechenden Jahresrhythmus angepasst werden. Siehe auch Jahresrhythmus einer Schildkröte

Die Ausführung in den o.g. Unterteilungen ist eine allgemeine Angabe für die Durchführung einer Winterruhe bzw. verminderten Aktivitätsphase und muss je nach Art entsprechend angepasst werden. Die genaue Wassertemperatur und Beleuchtungsdauer kann man anhand der Klimadiagramme, für das entsprechende oder vermutliche Herkunftsgebiet, ablesen.

Die o.g. Unterteilungen gelten im Prinzip auch für Landschildkröten, jedoch sollten Sie sich dazu unbedingt mit Informationsquellen für Landschildkröten beschäftigen.

Da ich hier aber keine Anleitung für alle Schildkrötenarten geben kann (und auch nicht möchte), sollte sich jeder Schildkrötenhalter über Winterruhe, verminderte Aktivitätsphase oder auch ganzjährige Haltung bei gleich bleibenden Temperaturen, ganz genau und vor allem auch durch andere Informationsquellen mit diesem Thema beschäftigen.

Rund um die Winterruhe

Während der Winterruhe gibt es einiges zu beachten und durchzuführen.

Vor der Einwinterung

  • Wichtig ist eine entsprechend umfangreiche Untersuchung beim schildkrötenerfahrenem TA (Tierarzt), der die Schildkröte auf Parasiten und Infektionen untersucht.
  • Gründliche Entleerung des Darmes.
  • Eine Behandlung gegen Würmer ist ebenfalls ratsam.
  • Um den Gewichtsverlust innerhalb der Winterruhe beziffern zu können, sollten die Schildkröten vor der Einwinterung unbedingt gewogen werden.
  • Vor allem muss die Schildkröte vollkommen gesund sein. Wasserschildkröten, die krank sind, dürfen nicht eingewintert werden, da es zum Tod führen kann. Das bedeutet, dass die Schildkröte klare Augen haben muss. Die Nase muss frei sein, also kein Sekret darf aus der Nase austreten und es darf kein Atemgeräusch zu hören sein. Verletzungen am Panzer oder Haut dürfen nicht vorliegen.

Während der Überwinterung

  • Vielfach liest man vom Wiegen der Schildkröte während der Winterruhe oder vom Teilwasserwechsel, diese Informationen sind nach meinem aktuellen Kenntnisstand nicht angebracht.
  • Auch die Zugabe von Salz ins Wasser ist während der Überwinterung nicht angebracht, da es zu Organschäden kommen kann. Im besonderen werden die Nieren durch das Salz sehr stark belastet.
  • Die Temperatur sollte bzw. muss sehr konstant gehalten werden.
  • Die Schildkröten sollten nicht gestört werden, außer durch Kontrollen und Lüften des Kühlschranks sind kurzzeitige Störungen unumgänglich.
  • Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle der Schildkröte während der Winterruhe, um Erkrankungen oder Auffälligkeiten kurzfristig zu erkennen.
  • Die Winterruhe ist SOFORT zu beenden, falls die Schildkröte aus der Winterstarre erwachen sollte oder sich im allgemeinen Zustand sehr unruhig verhalten sollte. Auch bei erkennbaren Erkrankungen am Panzer und/oder Haut, Schimmelbildung im Wasser oder an der Schildkröte, sonstigen Erkrankungen oder auch bei hier nicht angeführten Problemen ist die Winterruhe ebenfalls zu beenden.

    Bei einem vorzeitigen Ende der Winterruhe wird ebenso wie beim "Auswintern" die Temperaturen, Beleuchtungsdauer und Futtermenge langsam und behutsam erhöht. Es empfiehlt sich ein TA zu Rate zu ziehen bzw. diesen kurzfristig aufzusuchen.

Nach der Überwinterung

  • Die Schildkröte muss gewogen werden, um den Gewichtsverlust ermitteln zu können. Die Differenz zwischen Ein- und Auswinterung sollte so um 10 Prozent liegen.
  • Die Schildkröte im Gesundheitszustand und auf Auffälligkeiten im Verhalten untersuchen.
  • Wichtig ist die langsame Erhöhung der Temperaturen, um den Kreislauf nicht zu belasten.
  • Einige Arten sind nach der Winterruhe teilweise orientierungslos, daher empfiehlt es sich, den Wasserstand im Becken erst relativ niedrig zu lassen (nur soviel, dass die Schildkröte nicht ertrinken kann) und diesen erst langsam, nachdem die Schildkröte wieder aktiv und fit ist, zu erhöhen.

Was gibt es noch zu beachten?

  • Wasserschildkröten, die noch keine Winterruhe gehalten haben oder von denen man nicht weiß, ob sie jemals eine Winterruhe gehalten haben (das trifft meistens bei Fundtieren zu), müssen vor der Winterruhe von einem erfahrenen TA untersucht werden. Dieser kann dann entscheiden, ob eine Winterruhe durchzuführen ist oder nicht. Eventuell kann er auch noch andere Vorschläge machen. Wichtig ist in diesem Fall mit einem erfahrenen TA zu sprechen und die Schildkröte dementsprechend zu untersuchen lassen, alles andere wäre nicht gut.
  • Die Winterruhe wird langsam eingeleitet. Also, langsam die Temperatur und Beleuchtungsdauer sowie das Futter reduzieren.
  • Sollte die Schildkröte während der Einleitung in die Überwinterung träge werden und auch weniger fressen, kann man die Schildkröte in die Winterruhe überführen. Wichtig ist aber auch, dass alle oben genannten Punkte erfüllt wurden. Sollte die Schildkröte nach wie vor aktiv sein und keine Anzeichen von Trägheit machen, dann scheint die Wasserschildkröte keinen Rhythmus mit Winterruhe kennen oder sie ist nicht vollkommen gesund. In diesem Fall ist die Temperatur und Beleuchtungsdauer, sowie die Nahrungsmenge langsam aber stetig wieder zu erhöhen und keine Überwinterung herbeizuführen.
  • Es besteht immer das Risiko, dass eine Wasserschildkröte während der Winterruhe stirbt. Auch kann eine Schildkröte nach der Winterruhe erkranken und sterben. Bei einer gut vorbereiteten Einwinterungsphase sollte alles problemlos sein, jedoch besteht ein Restrisiko immer.
  • Immer wieder hört man von der ganzjährigen Haltung im Gartenteich. Es gibt durchaus Arten (die aus den nördlichsten Gebieten), die ganz jährig im Gartenteich gehalten werden können und dort auch erfolgreich überwintern. Besser ist jedoch die Überwinterung im Haus, da sie auf jeden Fall sicherer ist. Das Problem ist nicht die Überwinterung im Gartenteich an sich, sondern mehr die nicht so konstanten Winter in unseren Regionen, die schon früh mit Sonnenstrahlen die Schildkröten aus ihrer Winterruhe erwachen lassen. Folgende Nachtfröste sind dann die Ursache für Erkrankungen die der Schildkröte körperlich zusetzen und evtl. durch nicht erkannte Erkrankungen zum Tode führen. Daher würde ich von einer Überwinterung im Gartenteich Abstand nehmen.

Warum ist die Winterruhe für Wasserschildkröten wichtig?

Für Wasserschildkröten gehört die Winterruhe zu den grundsätzlichen Haltungsbedingungen einer artgerechten Haltung und zu dem natürlichen Jahresrhythmus. Im natürlichen Lebensraum der Wasserschildkröte wird so eine kalte und nahrungsarme Periode überbrückt, in der die Schildkröte sonst nicht überleben kann.

Weitere Gründe für eine Einhaltung dieser Winterruhe...

  • Für ältere Wasserschildkröten empfiehlt sich eine Winterruhe, da diese in der Regel gesundheitsfördernd ist.
  • Für das Fortpflanzungverhalten ist die Winterruhe sogar unerlässlich und wichtig, da erst durch diesen Jahresrhythmus die Eizellen reifen und nach der Winterruhe die Tiere erst Paarungsbereit sind.
  • Gerade für junge Schildkröten ist die Winterruhe die Zeit, in der sie nicht wachsen und nicht an Gewicht zunehmen. Gerade junge Schildkröten nehmen sonst in den ersten beiden Jahren zu schnell an Gewicht und Größe zu, was in den folgenden Lebensjahren zu ernsten Gesundheitsproblemen führen kann.
  • Eine Überwinterung ist nicht zwingend notwendig, jedoch erhöht sie die Lebensdauer und die Lebensqualität der Wasserschildkröte erheblich. Vor allem bei dauerwarm gehaltenen Schildkröten werden dauerhaft Organschäden auftreten.
  • Eine Winterruhe ist zudem eine natürliche Wachstumspause, im besonderen bei den Weibchen (bei den Männchen ebenso) können ohne Wachstumspause Organschäden auftreten.
  • Die Winterruhe trägt zu einem intakten Biorhythmus bei.

Was macht die Winterruhe im allgemeinen so fragwürdig?

Einige sind der Meinung, dass die Winterruhe als nicht erforderlich angesehen werden kann, da man im heimischen Becken das ganze Jahr über Futter und gleich bleibende Temperaturen bieten kann. Gerade für Anfänger ist es dann sehr schwer, hier einen Überblick zu bekommen und die verschiedenen Standpunkte zu verstehen. Wenn man die Winterruhe jedoch mit in den Jahresrhythmus einer Wasserschildkröte einbezieht, dann ist sie vor allem für die Wasserschildkröte sehr wichtig, und gehört zu einem intakten Biorhythmus.

Ich möchte hier die Winterruhe nicht in Frage stellen, jedoch sollte man immer bedenken, dass ein letztes Restrisiko nie auszuschließen ist. Viele Halter Überwintern Jahr für Jahr ihre Schildkröten erfolgreich und oben genannte Gründe sprechen ebenfalls für eine Überwinterung. Während es für viele selbstverständlich ist eine Winterruhe durchzuführen, ist diese für andere wiederum sehr fragwürdig. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es zu wenige Informationen zu diesem Thema gibt, da sich die erfahrenen Halter nicht darum kümmern - für sie ist es einfach SELBSTVERSTÄNDLICH.

Ich habe lediglich verfügbare Informationen zusammen gestellt und hoffe, dass sich nun jeder selbst entscheiden kann - ich möchte hier keinen zu etwas zwingen!

...und zum Guten Schluss

Meiner bescheidenen Meinung nach findet man zu wenige Informationen über die Winterruhe, die ich doch genauso wichtig finde wie alles andere was die Wasserschildkröten betrifft.

Ich weiß nicht ob meine hier gemachten Angaben im Detail korrekt sind, ich habe nach bestem Wissen und Gewissen Informationen zu diesem Thema Winterruhe zusammengetragen und hoffe dadurch ein wenig Licht ins dunkle gebracht zu haben. Wer Verbesserungsvorschläge machen kann oder möchte, der wende sich bitte an mich. Ich möchte nur zum Wohle der Wasserschildkröten beitragen..., nicht mehr und nicht weniger.

 

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